Österreich vor möglicher Reform des Online-Glücksspielmarktes

Von | Januar 27, 2026
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Österreich könnte in den kommenden Jahren vor einer grundlegenden Neuausrichtung seines Online-Glücksspielmarktes stehen. Mehrere Berichte aus der Branche deuten darauf hin, dass die Bundesregierung an einer umfassenden Überarbeitung der bestehenden Glücksspielgesetzgebung arbeitet. Ziel ist es offenbar, den rechtlichen Rahmen an die Entwicklungen des digitalen Marktes anzupassen. Während Informationsportale wie die Vergleichsseite Casino.combereits heute als Vergleichs- und Review-Seiten für etablierte Online-Casinos genutzt werden, könnte sich das regulatorische Umfeld, in dem solche Angebote bewertet werden, mittelfristig deutlich verändern.

Aktuelle Rechtslage und strukturelle Ausgangssituation

Der österreichische Online-Glücksspielmarkt ist derzeit stark zentralisiert. Mit win2day betreiben die Österreichischen Lotterien die einzige offiziell konzessionierte Online-Casino-Plattform des Landes. Ergänzt wird dieses Modell durch landbasierte Spielbanken, die unter dem Dach von Casinos Austria geführt werden. Diese Struktur beruht auf einem staatlich geprägten Monopolsystem, das über Jahre hinweg den rechtlichen Rahmen bestimmt hat.

Kritik an diesem Modell kommt seit längerem sowohl aus der Wirtschaft als auch von juristischer Seite. Beobachter verweisen darauf, dass ein großer Teil des Online-Glücksspiels faktisch über internationale Anbieter abgewickelt wird, die zwar in der Europäischen Union lizenziert sind, jedoch keine spezifische österreichische Konzession besitzen. Diese Diskrepanz zwischen formaler Rechtslage und tatsächlicher Nutzung ist einer der zentralen Gründe, weshalb eine Reform nun verstärkt diskutiert wird.

Reformüberlegungen bis 2026

Nach aktuellen Einschätzungen wird in politischen und regulatorischen Kreisen über eine umfassende Überarbeitung des Glücksspielgesetzes beraten, die bis spätestens 2026 umgesetzt werden könnte. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Österreich am bisherigen Monopol festhält oder ein Mehrlizenzmodell einführt, das auch privaten Anbietern den legalen Markteintritt ermöglicht.

Ein zusätzlicher Zeitfaktor ist das geplante Auslaufen der bestehenden Glücksspielkonzessionen, das für das Jahr 2027 vorgesehen ist. Dieses Datum gilt als möglicher Wendepunkt, da eine Neuausschreibung oder Neuregelung rechtlich erforderlich wäre. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass ein neues Gesetzgebungsverfahren vor diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein muss, um einen regulatorischen Übergang ohne rechtliche Grauzonen zu ermöglichen.

Mögliche Inhalte einer Neuregelung

Unabhängig vom gewählten Marktmodell wird erwartet, dass eine Reform nicht nur strukturelle, sondern auch inhaltliche Anpassungen mit sich bringt. Dazu zählen unter anderem klarere Regelungen zur Lizenzvergabe, zur steuerlichen Behandlung von Online-Glücksspielumsätzen und zur technischen Überwachung von Plattformen.

Ein zentraler Bestandteil dürfte der Spielerschutz sein. Diskutiert werden unter anderem verpflichtende Identitätsprüfungen, einheitliche Einsatz- und Verlustlimits sowie erweiterte Selbstsperrsysteme. Auch Maßnahmen zur Bekämpfung nicht lizenzierter Anbieter, etwa durch Zahlungs- oder Netzsperren, stehen im Raum. Ziel wäre es, den legalen Markt klarer vom nicht regulierten Angebot abzugrenzen.

Darüber hinaus wird über die Einrichtung oder Stärkung einer unabhängigen Regulierungsstelle gesprochen, die künftig für Lizenzvergabe, Marktaufsicht und Sanktionsmechanismen zuständig sein könnte. Eine solche Behörde würde den regulatorischen Rahmen stärker institutionalisieren und die Trennung zwischen staatlicher Beteiligung und Aufsicht klarer definieren.

Wirtschaftliche und fiskalische Aspekte

Eine Öffnung des Marktes könnte wirtschaftliche Auswirkungen haben. Befürworter eines Lizenzsystems mit mehreren Anbietern argumentieren, dass zusätzliche Marktteilnehmer zu höheren Steuereinnahmen, mehr Transparenz und stärkerem Wettbewerb führen könnten. In anderen europäischen Ländern wurde in den vergangenen Jahren ein ähnlicher Weg beschritten, mit dem Ziel, bislang unregulierte Umsätze in einen kontrollierten Rahmen zu überführen.

Kritische Stimmen verweisen hingegen darauf, dass eine Marktöffnung auch erhöhte regulatorische Anforderungen mit sich bringt. Der Verwaltungsaufwand, die technische Überwachung und die Durchsetzung von Spielerschutzmaßnahmen würden erheblich steigen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass wirtschaftliche Effekte stark von der konkreten Ausgestaltung der Lizenzbedingungen abhängen.

Einordnung im europäischen Kontext

Österreichs Reformüberlegungen erfolgen vor dem Hintergrund eines breiteren europäischen Trends. Zahlreiche EU-Mitgliedstaaten haben in den letzten Jahren ihre Glücksspielgesetzgebung modernisiert, um dem grenzüberschreitenden Online-Markt Rechnung zu tragen. Modelle mit nationalen Lizenzsystemen, zentralen Sperrdateien und strikten Werberichtlinien sind inzwischen in mehreren Ländern etabliert.

Diese Entwicklungen erhöhen den regulatorischen Anpassungsdruck. Einerseits besteht die Notwendigkeit, europarechtliche Vorgaben einzuhalten, andererseits sollen nationale Schutzstandards gewahrt bleiben. Österreich steht damit vor einer ähnlichen Abwägung wie andere Staaten: zwischen Marktöffnung, fiskalischen Interessen und ordnungspolitischer Kontrolle.

Bedeutung für Verbraucher und Anbieter

Für Spieler könnte eine Reform vor allem mehr rechtliche Klarheit bedeuten. Ein transparentes Lizenzsystem würde es erleichtern, legale Angebote von nicht regulierten Plattformen zu unterscheiden. Gleichzeitig könnten einheitliche Schutzinstrumente und klar definierte Betreiberpflichten zu einem strukturierteren Marktumfeld führen.

Für Anbieter hingegen wäre eine Neuregelung mit neuen Zugangsmöglichkeiten, aber auch mit höheren regulatorischen Anforderungen verbunden. Lizenzgebühren, technische Prüfverfahren und laufende Compliance-Pflichten würden den Markteintritt stärker formalisieren. Internationale Betreiber beobachten die Entwicklungen daher mit besonderem Interesse.

Ausblick

Ob und in welcher Form es zu einer Reform kommt, ist derzeit noch offen. Konkrete Gesetzesentwürfe liegen bislang nicht öffentlich vor. Klar ist jedoch, dass die bestehende Struktur angesichts der digitalen Marktentwicklung zunehmend unter Überprüfungsdruck steht.

Die kommenden Monate dürften zeigen, ob Österreich den Schritt zu einem neuen Regulierungsmodell vorbereitet oder sich für eine Anpassung des bestehenden Systems entscheidet. In jedem Fall zeichnet sich ab, dass der Online-Glücksspielmarkt vor einer Phase politischer und rechtlicher Neuordnung steht, deren Ergebnisse weit über die Branche hinaus Wirkung entfalten könnten.